Trämli-Fahr-Streams
Abdullah BertinTeilen
„Ganz hinte im Trämli“ (schweizerdeutsch für "Ganz hinten in der Tram") – so nenne ich dieses Live-Konzept. Es ist ein spontanes, öffentliches Kunst- und Interaktions-Experiment. Ich steige ein, setze mich ganz nach hinten und der Raum zwischen mir und der Kamera wird zur Bühne. Ich spiele die Rolle des TikTok-Künstlers, während um mich herum der Alltag weiterfährt. Das Trämli wird zum Studio, zur Stadtbühne, zum bewegten Wohnzimmer.
Die Atmosphäre ist komplett echt: Geräusche, Haltestellen, Stimmen, Licht, Vibrationen. Alles gehört zum Stream. Und dabei ist es egal, in welcher Stadt man fährt – dieses Konzept könnte in jeder Strassenbahn dieser Welt funktionieren. Der öffentliche Raum selbst wird Teil des Bildes: eine Linie, die von Endstation zu Endstation verläuft und für ein paar Stunden zum Live-Setting wird. Eine volle Fahrt kann zwei bis drei Stunden dauern, spontane Fahrten mindestens dreissig Minuten.
Ich spiele in diesen Streams zwei klare Rollen: Ich bin der Live-Moderator, also der Begleiter der Route im Chat – und gleichzeitig bin ich ein echter Trämli-Fahrgast. Beide Rollen bleiben stabil. Ich habe nicht vor, in diesem Setting zwischen Figuren zu wechseln. Ich fahre mit, beobachte, begleite, reagiere und halte den Raum – gleichzeitig online und offline.
Meine Kunst besteht genau darin, nichts zu verändern. Ich verhalte mich nicht anders, als ich es im echten Trämli tun würde. Das, was zwischen mir und der Kamera entsteht, ist Kunst – aber sie hält sich vollständig an die Regeln des öffentlichen Raums. Mein Verhalten bleibt 100% real, echt und angepasst an die Umgebung.
Die Community soll sich fühlen, als würde sie selbst mitfahren. Manche schauen nur kurz rein, andere bleiben länger. Wir reden, improvisieren, teilen Gedanken, reagieren auf die Stadt, auf News oder auf apo46.com – oder wir geniessen einfach das Fahren. Manchmal habe ich Produkte dabei, manchmal entsteht Werbung aus der Situation heraus. Kunst und Realität verschmelzen, aber immer im Rahmen der TikTok-Guidelines und der Strassenverkehrsordnung.
Der Content entsteht aus dem Moment: Beobachtungen, Chat-Impulse, Gedanken, spontane Aktionen oder einfach das Gefühl der Fahrt. Der Unterschied zum Studio ist klar: Im Trämli gibt es keine Effekte, keine gesetzt gestalteten Interaktionen und keinen geschützten Raum. IRL bedeutet: Es kann alles passieren – Stream bricht ab, Menschen steigen ein, Geräusche verändern die Situation.
Diese Streams sind Unterhaltung, Präsenz und Werbung für apo46.com zugleich. Sie zeigen ein bewegtes, echtes Leben, in dem Kunst und Alltag ineinanderfliessen. Man kann mich sehen, ohne dass ich euch sehe. Man kann kurz grüssen, supporten, Fragen stellen oder einfach mitfahren.
Die Regeln sind wie im echten Trämli: respektvoll, ruhig, spielerisch. Keine Diskriminierung, kein Rassismus. Zuschauen erlaubt, anfassen verboten. Der Stream und die Kommentare werden aufgezeichnet. Sabotagen oder Störungen werden gemeldet – online wie offline.
Die Energie ist eine Mischung aus Real-Life-Erdung und digitaler Verbundenheit. Zwei Welten, die gleichzeitig stattfinden und sich gegenseitig spiegeln. Man ist unterwegs und gleichzeitig kurz zu Hause. Diese Momente von Nähe, Zufall und Perspektivwechsel machen die Trämli-Fahr-Streams einzigartig.
„Ganz hinte im Trämli“ ist ein improvisierter Community-Chat auf Schienen. Ein Ort für spontane Begegnungen und kleine Gedankenwechsel – immer dann, wenn man das Gefühl hat: Ich wohne kurz hier.
