Faustregeln der Kreativität
Abdullah BertinTeilen
Meine Anschauung zu Kreativität
Kreativität steht uns permanent zur Verfügung.
Die Frage ist nicht, ob sie da ist, sondern ob wir sie nutzen oder nicht.
Ich sehe Kreativität als eine natürliche Eigenschaft des Menschen. Alles, was lebt, verändert sich, reagiert, findet neue Formen. Man kann das überall beobachten, zum Beispiel in der Natur. Kreativität ist kein Ausnahmezustand, sondern eher ein Grundmodus. Wenn überhaupt, wäre es außergewöhnlich, einmal nicht kreativ zu sein.
Dabei ist Kreativität sowohl bewusst als auch unbewusst vorhanden. Sie läuft ständig mit. Die Entscheidung liegt darin, ob man sie aktiv einsetzt oder einfach geschehen lässt.
Für mich ist wichtig, zwischen Kreativität zum Vergnügen und Kreativität als bewusster Einsatz zu unterscheiden. Einerseits diese permanente, vorhandene Kreativität – andererseits Kreativität, die ich gezielt in Prozesse einbringe: für Unterhaltung, Content, Produkte, Performances oder Spiele. Also Kreativität mit Absicht, Richtung und Verantwortung.
Die Möglichkeit, digital kreativ zu sein
In meinem Fall ist meine Kreativität heute fast vollständig digital ausgedrückt. Ich male kaum noch klassisch, sondern arbeite mit Bildern, Videos, Lives, KI und digitalen Formaten. Das liegt nicht daran, dass physische Orte keinen Wert hätten, sondern daran, dass digitale Räume vieles ermöglichen, was im physischen Raum schwer zugänglich ist.
In öffentlich-physischen Räumen braucht es oft Zugänge, Genehmigungen oder bestehende Systeme, um kreativ tätig zu sein. Digital ist das anders. Plattformen wie TikTok erlauben es, direkt zu handeln, sichtbar zu sein, Prozesse zu zeigen und Inhalte zu produzieren, ohne erst ein physisches Set bauen zu müssen.
Das macht digitale Kreativität individueller, direkter und oft zielgerichteter. Man kann behaupten, an einem Ort zu sein, eine Situation zu erzeugen, ein Produkt oder eine Idee zu testen – alles mit vergleichsweise geringem Aufwand. Dadurch wird Kreativität beweglicher. Nach dem Prinzip: Alles ist Content.
Grundprinzipien in der Community
Gerade weil digitale Kreativität so offen, zugänglich und anonym ist, braucht sie eine innere Definition. Keine Einschränkung, sondern eine Haltung. Eine Art Orientierung, die mitläuft.
Ich sehe Grundprinzipien deshalb als etwas Notwendiges für kreative Communitys. Nicht als Regeln oder Moral, sondern als gemeinsame Haltung. Vergleichbar mit Community Guidelines – aber auf einer philosophischen, kreativen Ebene.
Grundprinzipien funktionieren für mich wie Straßenschilder. Man kann vom Weg abkommen, improvisieren, Umwege gehen. Aber man kann immer wieder zurückschauen und sich orientieren: Wofür stehen wir hier? In welche Richtung bewegen wir uns?
Gerade in anonymen, wechselhaften Communitys – mit ständigem Publikumswechsel, neuen Gesichtern, D-Stars, Mitlaufenden – schaffen solche Prinzipien Verbindung. Man kann sich allein durch sie mit fremden Menschen verbunden fühlen, ohne sie zu kennen. Man kann auf sie zurückgreifen, wenn etwas schief läuft.
Deshalb halte ich es für die Apo46 Community wichtig, solche Grundprinzipien bewusst zu formulieren und schriftlich zu veröffentlichen als Stabilität in einem Raum, in dem theoretisch alles möglich ist.
