Mein Ratschlag an Ratschläge im Live-Streams
Abdullah BertinTeilen
Ein TikTok-Live ist kein Ort, an dem man ungefragt Ratschläge verteilt, während jemand bereits am Tun ist.
Nicht, weil Austausch unerwünscht wäre – sondern weil ein Live ein laufender Prozess ist.
Schon das Wort Ratschlag sagt viel:
Man schlägt den Rat.
Man haut ihn rein.
Man unterbricht etwas, das sich gerade bewegt.
Ich arbeite anders.
Ich schlage den Rat nicht – ich lasse ihn drehen.
Ein Live ist Bewegung.
Ideen, Entscheidungen, Improvisation, Verkauf, Beobachtung, Reaktion.
Ein Rat entsteht nicht dadurch, dass man ihn von außen hineinschlägt, sondern dadurch, dass man ihn in Bewegung hält. Und Bewegung braucht Handlungen: Interaktionen, Beteiligung, Begegnung, manchmal auch Investitionen, Käufe, Verkäufe oder bewusste Entscheidungen.
Im Live zählen deshalb vor allem Taten, nicht Worte.
Viele Menschen erkennen sich in dem wieder, was ich live mache.
Sie haben ähnliche Gedanken, ähnliche Ideen, ähnliche Zweifel – oft schon lange. Manche haben nie angefangen, andere haben es immer wieder nur gedacht. Das ist menschlich. Aber genau deshalb gilt: Wer etwas wirklich verändern oder beitragen will, kommt irgendwann vom Denken ins Tun.
Ein ungefragter Ratschlag im Live ist oft kein echter Rat, sondern ein Ausweichen vor der eigenen Umsetzung. Man sagt etwas, statt selbst etwas zu machen. Und das stoppt Bewegung – es beschleunigt sie nicht.
Im Live geht es darum, einen Prozess laufen zu lassen.
Darum, zu reagieren, mitzuschwingen, Impulse aufzunehmen oder Energie reinzugeben – nicht darum, von außen zu erklären, was man „eigentlich“ tun sollte.
Wenn jemand wirklich beraten will, gibt es dafür einen anderen Rahmen.
Beratung braucht Kontext, Zeit, Struktur und Verantwortung – und genau deshalb findet sie nicht im Live statt, sondern bewusst außerhalb.
