Der Unterschied zwischen Polizisten und „Bullen“?

Der Unterschied zwischen Polizisten und „Bullen“?

Abdullah Bertin

In Basel – und auch sonst im deutschsprachigen Raum – hört man oft das Wort „Bulle“. Viele benutzen es einfach als Synonym für Polizist. Für mich ist das aber nicht dasselbe. Ein Polizist ist ein Beruf. Ein Mensch mit einer Aufgabe, einem Mandat, einer klaren Funktion. Und viele Polizisten erfüllen diese Aufgabe korrekt, ruhig und professionell.

Ein „Bulle“ dagegen ist keine Berufsgruppe.
Ein „Bulle“ ist eine Haltung, die jeder Mensch einnehmen kann – mit oder ohne Uniform.

Ich stelle mir einen „Bullen“ wie einen Stier vor: kraftvoll, sensibel auf Reize, und manchmal in einem Modus, in dem er mehr zeigen will, als eigentlich nötig wäre. Solange ein Stier einfach Stier sein darf, ist alles in Ordnung. Problematisch wird es erst dann, wenn er überdreht, wenn er doppelt spielt, wenn er seine eigene Kraft demonstrieren muss, obwohl die Situation nach Ruhe verlangt.

So ähnlich ist es mit dem sozialen „Bullen-Verhalten“.
Ein „Bulle“ ist jemand, der:

  • unnötig kontrolliert, obwohl schon alles unter Kontrolle ist,
  • Druck erzeugt, der keinem weiterhilft,
  • viele Fragen stellt, aber wenig von sich zeigt,
  • Situationen komplizierter macht, als sie sind,
  • und seine Macht oder Unsicherheit in einem Moment auslebt, in dem eigentlich Sensibilität gefragt wäre.

Das kann ein Polizist sein, muss es aber nicht.
Manche Polizisten geraten in dieses Verhalten, andere überhaupt nicht.
Darum gilt: Nicht jeder Polizist ist ein Bulle – und nicht jeder Bulle ist ein Polizist.

Es gibt Menschen, die privat oder im Alltag genau diese Dynamik ausspielen:
Sie tauchen plötzlich auf, wollen wissen, was du machst, erwarten Antworten, ohne selbst transparent zu sein. Man merkt, wie man automatisch zu viel erzählt, weil die Person harmlos wirkt, aber am Ende bleibt ein Gefühl zurück, dass man etwas gegeben hat, ohne etwas zurückzubekommen.

Das Besondere daran:
Viele „Bullen“ sehen sich selbst nicht als solche.
Gerade weil ihnen das nicht bewusst ist, legen sie im Verhalten noch eins drauf – um sich selbst in dieser Rolle zu bestätigen.

Solche Menschen können überall auftreten: im Freundeskreis, in der Familie, im Alltag, im Beruf, zufällig auf der Strasse. Sie gehören nicht zu einer Gruppe, sondern zu einer Art sozialem Muster.

Für mich ist der Unterschied klar:
Ein Polizist hat einen Auftrag.
Ein „Bulle“ erschafft sich selbst einen Auftrag.

Ein Polizist kann deeskalieren.
Ein „Bulle“ eskaliert, weil er mehr Kontrolle braucht, als die Situation erfordert.

Ein Polizist kann dein Gegenüber sein.
Ein „Bulle“ steht dir im Weg.

Diese Unterscheidung hilft, Situationen einzuordnen und Grenzen zu setzen. Nicht wertend, sondern beobachtend. Es geht darum, bewusst zu bleiben, wenn jemand beginnt, eine Rolle einzunehmen, die eigentlich nicht notwendig ist – egal, wer diese Person ist.

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