Warum nicht klassisch Kunst oder Verkauf?

Warum nicht klassisch Kunst oder Verkauf?

Abdullah Bertin

Klassische Wege sind nicht falsch. Aber sie greifen für mich zu kurz.

Wenn man sich den Kunstbetrieb anschaut, wirkt vieles sauber getrennt: Hier die Kunst, dort der Verkauf. Hier die Galerie, dort der Markt. In der Realität ist diese Trennung aber eher eine Erzählung als eine Tatsache. Eine Galerie ist auch ein Shop. Kunst muss gekauft werden, sonst kann niemand davon leben. Dass man so tut, als wäre Verkauf etwas Fremdes oder Störendes, erscheint mir unehrlich.

Ähnlich ist es bei Content. Videos anschauen, Filme sehen, Inhalte konsumieren – das funktioniert gut als Unterhaltung. Aber es bleibt oft passiv. Man schaut zu, hat vielleicht eine Meinung, aber der Kontakt endet dort. Es entsteht kaum ein Raum, in dem man organisatorisch, physisch oder real in Beziehung treten kann. Es bleibt beim Zuschauen.

Wäre es nur Content, könnte es auch ein Film sein. Wäre es nur Text, ein Buch. Wäre es nur Verkauf, ein Laden. Aber in der Praxis greifen diese Dinge ineinander. Kunst erzeugt Bilder. Bilder erzeugen Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit erzeugt Bedeutung. Bedeutung erzeugt Produkte, Gespräche, Entscheidungen. Und all das braucht wiederum Sichtbarkeit.

Die klassischen Wege versuchen oft, diese Prozesse sauber voneinander zu trennen. Für mich ergibt das keinen Sinn. Nicht, weil ich alles gleichzeitig machen will, sondern weil es ohnehin zusammengehört. Eine Galerie braucht Öffentlichkeit. Ein Shop braucht Haltung. Content braucht Kontakt. Verkauf braucht Begegnung.

Ich habe weder die Kapazität noch den Wunsch, diese Bereiche künstlich auseinanderzuhalten. Stattdessen interessiert mich genau der Punkt, an dem sie sich überschneiden. Dort, wo Kunst nicht nur ausgestellt, sondern erlebt wird. Wo Verkauf nicht peinlich ist, sondern Teil eines Austauschs. Wo Content nicht nur konsumiert, sondern in Beziehung gesetzt wird.

Klassische Wege verlangen oft Anpassung: an bestehende Strukturen, an Erwartungen, an Rollenbilder. Mir geht es weniger darum, mich in ein bestehendes System einzufügen, als darum, ein eigenes Zusammenspiel zu entwickeln. Eines, das ehrlich mit der Realität umgeht: Dass Kunst Geld kostet. Dass Aufmerksamkeit Arbeit ist. Und dass Bedeutung nicht getrennt von Markt entsteht, sondern mitten darin.

zurück

Hinterlasse einen Kommentar