Wozu der ganze Aufwand?

Wozu der ganze Aufwand?

Abdullah Bertin

Relativ früh nach meiner Schauspielausbildung habe ich gemerkt, dass Erfolg selten nur mit Können oder Qualität zu tun hat. Ob etwas wirkt, verkauft wird oder Bedeutung bekommt, hängt fast immer davon ab, wie es präsentiert ist und welche Emotion damit verbunden wird. Und noch stärker: von der Person, die dahintersteht.

Egal ob Theater, Film, Kunst oder Verkauf – am Ende entscheidet der Moment zwischen Menschen. Die Präsenz, die Haltung, der Charakter. Besonders dann, wenn man nicht aus einem bestehenden Netzwerk kommt oder nicht schon privilegiert in ein System hineinwächst. In diesen Fällen ist die eigene Persönlichkeit oft das Einzige, womit man wirklich arbeitet.

Was mich dabei lange gestört hat, ist eine Ungerechtigkeit, die sich durch viele Bereiche zieht: Dort, wo mehr Geld im Spiel ist, bekommen subjektive Meinungen plötzlich mehr Gewicht. Nicht unbedingt, weil sie besser sind, sondern weil sie sich durchsetzen können. Das empfinde ich als ermüdend. Und ehrlich gesagt auch als unfair.

Ich habe deshalb früh gemerkt, dass ich diesen Weg so nicht weitergehen will. Nicht, weil ich gegen Erfolg bin – im Gegenteil. Sondern weil ich Erfolg nicht davon abhängig machen will, ob jemand anderes mir zuerst Raum gibt oder entscheidet, dass etwas gültig ist. Ich wollte mir einen Weg aufbauen, bei dem ich nicht warten muss, bis ein Moment entsteht, sondern in der Lage bin, ihn selbst herzustellen.

Der Aufwand, den ich betreibe, hat viel mit dieser Entscheidung zu tun. Mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit. Aber nicht im Sinne von „alleine“, sondern im Sinne von selbst verantwortlich. Für meine Arbeit, meine Fehler, meine Entscheidungen. Für das, was funktioniert, und für das, was nicht funktioniert.

Im Kern geht es mir um Verbindung. Um Ereignisse. Um echte Momente, in denen etwas entsteht. Produkte, Kunst, Gespräche oder Inhalte sind für mich keine isolierten Dinge. Sie sind Teil einer Kultur. Kaufen, Verkaufen, Tauschen, Unterstützen – das sind keine rein wirtschaftlichen Vorgänge, sondern soziale. Ohne sie würde unser Alltag, unsere Nähe und unsere Entwicklung als Gesellschaft so nicht funktionieren.

Diesen Aufwand betreibe ich, weil ich genau in diesem Spannungsfeld arbeiten will. Zwischen Ausdruck und Existenz. Zwischen Kunst und Geschäft. Zwischen Beobachtung und Handlung. Ich will nicht nur etwas herstellen und dann abgeben. Ich will erleben, wie etwas entsteht, während andere dabei sind oder dazukommen können.

Ich mache das nicht, weil es der einfachste Weg ist. Sondern weil es der Weg ist, der mir erlaubt, zu lernen, Fehler zu machen, mich weiterzuentwickeln und gleichzeitig ernsthaft zu arbeiten. Ich mache das, weil ich darin meine Berufung sehe. Und weil ich gemerkt habe, dass genau dieser Aufwand nötig ist

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